Hobit 2012: Langsames Rantasten an die Zukunft
Darmstadtium - Bei der Hobit können sich Oberstufenschüler über Ausbildung und Studium informieren
Nur die wenigsten Schüler haben so eine genaue Vorstellung von ihrer Zukunft wie Julia Emmerich. Sie besucht die zwölfte Klasse der Darmstädter Edith-Stein-Schule und ihr Berufswunsch steht fest: „Ich will Medizin studieren“, sagt sie.
Folglich wird sie auf der Hobit, die gestern im Darmstadtium gegen acht Uhr ihre Türen öffnet, Vorträge über Humanmedizin, Biotechnologie oder Chemische Technologie besuchen. Die Zwölftklässlerin, die Mathematik und Chemie als Leistungskurse hat, wird aber auch bei Wirtschaftsrecht und Wirtschaftswissenschaften reinschauen. „Eine Alternative will ich schon kennenlernen.“
Julia hat sich einen Plan im Internet zusammengestellt. Erstmals können sich die jungen Leute im Internet auf „hobit.de“ ihr eigenes Programm organisieren, erklärt Professor Bernhard Meyer, Leiter des Organisationsteams. Bis Montag Nachmittag hatten sich 15 309 Interessenten einen Plan zusammengestellt.
Neu bei der Hobit 2012 ist auch, dass alle Räume des Kongresszentrums voll belegt sind und die Veranstaltungen leicht zeitversetzt in zwei Zeitschienen beginnen. Das war nötig, um den Andrang zu entzerren und „die Besucherströme intelligent zu lenken“, sagt Meyer. Wie auch die mäanderartigen Wege, die durch Flatterbänder vorgegeben sind und den pulkartigen Ansturm auf einen Saal verhindern.
In den Warteschlangen geht es recht gemütlich zu, Programme werden gewälzt, es wird mit dem Nachbarn diskutiert oder bereits gesammeltes Informationsmaterial gesichtet. Denn neben den 206 Vorträgen sind auch knapp 100 Messestände aufgebaut, an denen Unternehmen, vor allem aber Technische Universität, Hochschule und Evangelische Hochschule Darmstadt über ihre Angebote informieren.
Die Hochschulen zählen neben der Agentur für Arbeit, der Stadt Darmstadt und dem hessischen Unternehmerverband zu den Veranstaltern der Messe, deren Besucherzahl sich von 4000 (1997) auf knapp 15 000 im Vorjahr mehr als verdreifacht hat.
Dass rechtzeitige Information gut ist, hat sich zwar bei den Schülern herumgesprochen, doch nicht bei allen zu entsprechender Vorbereitung geführt. „Kein Plan“, hört man ebenso auf die Frage, worüber man sich denn informieren wolle, wie ein „weiß ich noch nicht“.
Doch beim Großteil der Besucher zeigt sich neben gezieltem Interesse auch Erstaunen darüber, was es überhaupt für Möglichkeiten gibt. So hat Nikolas Klein, der die 13. Klasse der Edith-Stein-Schule besucht und bereits 2011 auf der Hobit war, damals durch Zufall vor einem Stand der Organisation „Weltwärts“ auf einen Vortrag gewartet. Beeindruckt von deren Angebot hat er sich näher informiert – und plant nun, nach dem Abitur ein Jahr nach Kamerun zu gehen.
Nichtsdestotrotz hat der Englisch- und Informatik-Leistungskursschüler aber einen Plan, den er gezielt abarbeitet. So stehen Kommunikations- und Industriedesign auf seiner Agenda, auch Hochschulen für Gestaltung will er auf der Messe besuchen.
Ein Jahr weg zu gehen – das planen durch die Aussetzung der Wehrpflicht und den Wegfall des Ersatzdienstes viele junge Leute. Alexander von der Georg-Büchner-Schule etwa kann sich ein „Work and Travel“-Programm vorstellen. „Da hätte ich nach dem Abi ein Jahr Zeit, um nachzudenken, was ich wirklich studieren will.“ Paul will auch ins Ausland und möchte wissen, in welchen Ländern man gleich mit dem Studium loslegen kann. Sein Ziel: gleich nach dem Abi studieren.
Fachoberschülerin Julia Voigt aus Groß-Gerau geht ebenso gezielt einen anderen Weg. Im Vorjahr, als sie das erste Mal bei der Hobit war, wusste sie noch gar nicht, was sie wollte. „Die Hobit hat mir echt geholfen.“ Nun weiß sie, was sie will – und einen Ausbildungsplatz als Bankkauffrau hat sie schon in der Tasche.
Quelle: Echo Online








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